1 November 2026
Neuigkeiten

2. Alevitisches Festival bringt Berlin mit Volksliedern, Deyiş und Halay zusammen

Das gemeinsam von der Alevitischen Gemeinde zu Berlin – Cemevi und 17 befreundeten Vereinen veranstaltete Zweite Alevitische Kulturfestival Berlin wurde mit seiner bunten und mitreißenden Atmosphäre – von Musik und Kultur bis hin zu Botschaften der Solidarität, der Demokratie und des Friedens – zu einem großen Begegnungsfest. Rund 7.000 Berlinerinnen und Berliner besuchten das Festival, das am Samstag unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Kai Wegner, stattfand. Auf dem Festivalgelände am Blücherplatz erklang den ganzen Tag über Musik, es wurde Halay getanzt, und Volkslieder (Türküs) und Deyiş wurden gemeinsam gesungen.

Das von Ercan Atmaca und Ela Atlas aus dem Veranstaltungsteam des Cemevi moderierte Festival wurde von Deniz Yıldırım-Caliman, Generalsekretären des BAT-Cemevi, eröffnet. In der Eröffnungsrede betonte Yıldırım-Caliman, dass das Festival neben dem Einsatz für Frieden, Demokratie und Gleichberechtigung eine starke Botschaft der Solidarität gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sende. Yıldırım-Caliman hob hervor, wie wichtig es sei, den nachfolgenden Generationen Hünkâr Bektaş Velis Haltung „Lasst uns alle 72 Völker mit demselben Blick betrachten“ weiterzugeben. Caliman ging auch auf die Beiträge der in Berlin lebenden alevitischen Gemeinschaft zum sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Leben der Stadt ein und unterstrich, dass dem zuletzt zunehmenden Rassismus gemeinsam und noch entschlossener entgegengetreten werden müsse.

Dr. Yüksel Özdemir, Vorsitzender der Alevitischen Gemeinde zu Berlin – Cemevi, ging auf den Friedensprozess in der Türkei ein und erklärte, ein dauerhafter Frieden sei nur möglich, wenn die Rechte aller Teile der Gesellschaft anerkannt würden. Solange die Rechte der alevitischen Gemeinschaft nicht anerkannt seien, könne von echtem Frieden keine Rede sein, betonte Özdemir; gleichberechtigte Staatsbürgerschaft und die verfassungsrechtliche Absicherung der Rechte aller Glaubensgemeinschaften seien Kernelemente des Friedensprozesses. Der Vorsitz des BAT-Cemevi dankte den Hauptsponsoren Celal İrgi, Inhaber von Euro Gıda, und der Berliner Sparkasse für ihre wertvolle Unterstützung bei der Durchführung des Festivals und ihre Solidarität.

Kemal Karabulut, Vorsitzender der Föderation der Dersim-Gemeinden in Europa, sagte in einem zweisprachigen Grußwort auf Türkisch und Zazaki, das Alevitische Festival Berlin halte die alevitische Kultur lebendig, und das sei sehr wertvoll. Karabulut: „Ein wichtiges Element des Festivals ist auch, dass viele Vereine und zivilgesellschaftliche Organisationen zusammenkommen und Verantwortung übernehmen. Dieses Festival ist auch für unsere Einheit sehr wichtig.“

Das Festival war zugleich ein eindrucksvolles Spiegelbild des multikulturellen Lebens in Berlin. Auch die Politik zeigte großes Interesse. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, Steffen Krach, für die SPD im Rennen um das Amt des Regierenden Bürgermeisters, Bettina Jarasch (Listenplatz 1 der Grünen bei der Abgeordnetenhauswahl), die Bundestagsabgeordneten der Linken Ferhat Koçak und Pascal Meiser sowie Sevim Aydın, SPD-Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin, besuchten im Laufe des Tages das Festival. Die Politikerinnen und Politiker, die auf dem Festival sprachen, hoben die Beiträge der alevitischen Gemeinschaft für Deutschland und insbesondere für Berlin hervor.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner ging über das Festivalgelände und traf sich mit Teilnehmenden sowie mit Verantwortlichen zivilgesellschaftlicher Vereine. In einer Ansprache vor Tausenden Menschen auf dem Gelände unterstrich Wegner die Bedeutung des Zusammenlebens verschiedener Kulturen für den Reichtum Berlins und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Die Alevitische Gemeinde veranstaltet ein Festival, das die Berlinerinnen und Berliner zusammenbringt und sich an alle in Berlin richtet“, sagte Wegner. Wegner betonte, dieses Berlin, in dem alle Farben zusammenkommen, müsse geschützt werden, und Rassisten dürfe kein Raum gegeben werden. An den Vorsitz des BAT-Cemevi, Dr. Yüksel Özdemir, gewandt, richtete Wegner herzliche Worte an die Alevitische Gemeinde zu Berlin: „In meiner Amtszeit war ich bisher zweimal im Cemevi. Yüksel Özdemir und die Vorstandskolleginnen und -kollegen haben mich besucht. Sie haben mir eine Bağlama geschenkt. Ich habe noch nicht gelernt, Bağlama zu spielen, aber dieses wertvolle Instrument hängt in meinem Amtszimmer.“

Steffen Krach, für die SPD im Rennen um das Amt des Regierenden Bürgermeisters, bekräftigte die Unterstützung für die Unterzeichnung eines Staatsvertrags mit der alevitischen Gemeinschaft: „Wir haben die Einrichtung eines alevitischen Lehrstuhls an der Humboldt-Universität in unser Wahlprogramm aufgenommen. Sie haben dazu beigetragen, Deutschland und Berlin neu zu gestalten. Vor Jahren kamen Tausende Menschen als Gastarbeiter hierher. Sie sind geblieben. Die dritte und vierte Generation ist jetzt hier. Das ist eine wunderbare Geschichte. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie Berlin mitgestaltet haben.“

Bettina Jarasch von den Grünen sprach über die Bedeutung der Benennung einer Grünfläche in Berlin nach den Aleviten: „Die Einrichtung eines alevitischen Lehrstuhls steht in unserem Wahlprogramm. Aber dabei wird es nicht bleiben. Das wird auch umgesetzt. Ich werde mich dafür einsetzen. Die alevitische Gemeinschaft muss sichtbarer werden. Der Alevitische Garten wird bald eröffnet. Als Partei haben wir die Benennung der Grünfläche am Moritzplatz unterstützt.“

Pascal Meiser (Die Linke), Mitglied des Bundestages, ging auf den zunehmenden Rassismus und die Diskriminierung ein und betonte die Bedeutung des Zusammenlebens. Sevim Aydın, SPD-Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin, sprach über die Bedeutung der alevitischen Kultur für Berlin. Aydın: „Die alevitische Kultur ist ein großer Reichtum für Berlin. Zu diesem Glauben gehören Gemeinschaft, Teilen, Solidarität und das Eintreten für Gleichberechtigung. Dieses Festival und die weitere langjährige Arbeit der Alevitischen Gemeinde zu Berlin halten diese Kultur lebendig und geben sie an die neuen Generationen weiter.“

Im Rahmen des Festivalprogramms überreichten die Lehrkräfte den Schülerinnen und Schülern, die am Alevitischen Religionsunterricht (ARU) an Berliner Schulen und im Cemevi teilnehmen, ihre Zeugnisse und kleine Geschenktüten. Zur Freude der Schülerinnen und Schüler über ihre Zeugnisse kam der Stolz der Eltern hinzu, und die Anwesenden gratulierten ihnen mit Applaus.

Im Laufe des Tages kamen rund 7.000 Menschen auf das Festivalgelände. Tausende erlebten die Festivalstimmung bis 22.00 Uhr und tanzten Halay zu den Auftritten von Mengene Grubu, Hüseyin Doğan, Aysel Boldaz & Müslüm Arslan, Çağlasu Aslan, der Musikgruppe Sivaslı Canlar, dem Chor Cemevi Turnalar, dem Chor des Vereins Yedicanlar, Uğur Çit, Grup Yel/Can Erenler Koro, der Tanzgruppe Soul Of Anatolia sowie zu Davul und Zurna. Sie sangen bei den Deyiş, Volksliedern und Liedern in verschiedenen Sprachen mit. Das Festivalgelände verwandelte sich geradezu in ein Musikfest.

In der Hoffnung, uns 2027 beim dritten Alevitischen Festival Berlin wiederzusehen – mit Liebe …

Bericht: BAT-Cemevi

Fotos: Ulaş Yunus Tosun